Zusammenfassung GBR 2015

Es begann mit einem Feuerwerk …

und es endete mit einem. Aber nun der Reihe nach, wie es unserem Team Germany 2 (H.-O.Lausch/Marion Lausch) beim härtesten Rennen der Welt dem 59. Coupe Aéronautique Gordon Bennett in Pau/Frankreich vom 28.8.-6.9.2015 erging.IMG_6418

Am Donnerstag nach dem General Briefing gab es nicht nur eine stilvolle Eröffnungszeremonie, sondern auch die Startauslosung, die uns als Letzter der Startsequenz normalerweise eine ideale Startposition gab, jedoch durch die Wetterlage am Kanal in den nächsten Tagen gegebenenfalls auch als Nachteil gedeutet werden konnte.

Die Grundprobleme der Taktik waren auf der Seite die Störung, die am Samstag/Sonntag kommen sollte und auf der anderen Seite das Passieren der Lufträume um Paris mit den entsprechenden Freigaben.

So wurde nun ab Freitagnachmittag auf der Pferderennbahn aufgerüstet. Leider wurde der österreichische Ballon beim Aufrüsten aufgerissen, so dass ein Start nicht möglich war. Dadurch standen am Abend nur 16 Ballone zum Start bereit, und mussten bei bockigen Winden mehrere (!) hundert Meter zum Mini-Startpodest gebracht werden. Mindestens 6 Personen hielten den Korb über 45 Minuten fest. Leider wurde die Startzeremonie vor über 3000 Zuschauern den Bedingungen nicht angepasst.

IMG_6447So ging es um 23:57 loc mit der deutschen und der französischen Nationalhymne und dem Beifall der Zuschauer los. Am Horizont konnte man noch ein Feuerwerk sehen. In der warmen Nacht fuhren wir flach Richtung Biskaya. Den Sonnenaufgang sahen wir schon über dem Wasser, einige Kilometer von der Küste entfernt. Über den Tag fuhren wir erst nach Norden, um dann ab Samstagmittag bei La Rochelle, vorbei an den Schlössern der Loire, Richtung Paris einzuschwenken.

Das Ziel war östlich an Paris vorbeizufahren, um am Kanal entlang Richtung Benelux zu kommen. Wir waren mit Frankreich 1 und 2 die westlichsten Teams und hofften dann am nächsten Tag soweit nördlich zu sein, um Dänemark, Schweden zu erreichen.

Wie das mit Plänen so ist, meistens kommt es anders, als man denkt. Jedenfalls sahen wir am Abend bei Le Havre am Kanal schon einige Wolken (u.a. Cbs 20-30 km entfernt), die sich, wie vorhergesagt zum Sonnenuntergang immer weiter auflösten. Nach den Erfahrungen beim America’s Challenge letztes Jahr beobachteten wir jedoch die Wolken sehr genau und nach ca.20 Minuten nach Sonnenuntergang schoben sich die Wolken weiter zusammen.

IMG_6470.JPGUnd auf einmal ging es los, ein horizontaler Blitz, ca. 10 km entfernt. Beim Versuch unseren Wettermann David Strasmann zu erreichen, noch ein Blitz, waagerecht durch alle Wolken von links nach rechts. Jetzt musste alles schnell gehen; Parachute ziehen und alles für eine Nachtlandung vorbereiten. Mit 3-4 m/s ging es nun aus FL 75 runter! Zum Glück waren durch den Vollmond einige Konturen zu erkennen. Was war das? In 2000-3000 ft war direkt unter uns eine Starkstromleitung zu erkennen und die ersten vertikalen Blitze schlugen aus der zweiten Wolkenreihe am Strand ein. Sollten wir den Ballon wegen der Starkstromleitung abfangen und dabei Zeit verlieren? Nein, wir zogen sogar noch weiter auf, da wir schon in das Gewitter gezogen wurden und wir somit immer mehr nach links Richtung Gewitter fuhren.

Wir bereiteten uns weiter auf die Nachtlandung vor; Scheinwerfer und einige Säcke waren griffbereit. Wir gingen auf einen Bauernhof mit Bäumen zu. Schaffen wir es vorher zu landen oder sollen wir den Ballon abfangen und danach landen? Die näherkommende Lightshow am Himmel hatte uns die Entscheidung abgenommen und so landeten wir beherzt, aber sicher schon nach 21:30h auf einer Wiese vor dem Bauernhof bei Yvetot.

IMG_6512Jetzt war es wichtig, so schnell wie möglich den Wasserstoff ablassen und den Korb vor Regen schützen. Trotz der Blitze in der ganzen Nacht gab es wenig Regen, da die Blitze meistens innerhalb der Wolken blieben.

Nach 3 Stunden hatte uns unser Verfolgungsteam mit Charly und Tobias erreicht. Dann rüsteten wir ab und fuhren nach Hause.

Insgesamt war es ein Déjà-vu nach dem America’s Challenge 2014 mit Nachtlandung und Gewitter, aber nur knapper. Auch Frankreich 1 mit den mehrfachen Gordon Bennet Gewinnern und Frankreich 2 entschlossen sich zum Glück zu diesen Sicherheitslandungen, da es ansonsten zu einer Katastrophe hätte kommen können. Der Respekt über diese verantwortungsvollen Entscheidungen ist nicht hoch genug einzuschätzen!

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer schönen Siegerehrung u.a. mit den Siegern SUI1 (Frieden/Witprächtiger), die sich einen spannenden Endspurt mit GER1 (Eimers/Zenge) geliefert hatten. Dritter wurde mit dem letzten Krümel Sand SUI2 (Tieche/Scriboz). Leider waren nicht alle Teams anwesend.

Wir danken unserem bewährten Team mit Charly Müller, Tobias Lausch und David Strasmann. Bilder und Videos können in diesem Blog www.gordonbennett.de und auf Vimeo gesehen werden.