Rückblick GBR 2013 (Mülheimer Sportmagazin)

Ein Mythos lebt, extremes Ballonfahren bei der WM!

Beim härtesten Ballonrennen der Welt, dem Gordon-Bennett-Rennen, starteten in Nancy (Frankreich) Ende August als Germany 1 das Mülheimer Ehepaar Heinz-Otto und Marion Lausch vom Ballon-Club Mülheim 1979 e.V. . Dieser Coupe Aéronautique Gordon Bennett zählt gleichzeitig auch als FAI Distanzrennen-Weltmeisterschaft für Gasballone und ist einer der prestigeträchtigsten Rennen seit 1906 auf der Welt.

Die Regeln sind einfach: Jedes Land kann maximal 3 Teams benennen und das Team, das die weiteste Strecke ohne Zwischenlandungen fährt , gemessen vom Start- zum Landepunkt, hat gewonnen.

In diesem Jahr nahmen 18 Teams aus 10 Ländern teil, die schon einige Tage vorher in Nancy eintrafen. Der Start des eigentliche Rennens findet aus organisatorischen Gründen innerhalb von 2 Tagen statt, so dass vorher in diversen Briefings die Piloten über die Wettersituation und das Startprozedere informiert werden. Das Wertungsgebiet ist von Portugal bis Polen, sowie von Norwegen bis Italien und Griechenland, so dass Fahrten über 1000 km möglich sind; eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht. Wilhelm Eimers und Bernd Landsmann vom Ballon-Club Mülheim halten den Dauerweltrekord über 92 Stunden non-stop in der Luft. .

Die Wettersituation war traditionell schwierig, da Schlechtwetter-Fronten das Startgebiet passierten. Nach einer schweren Gewitterfront mit Regen und Hagel am Samstagabend, dem 24.8., konnte das Aufrüsten und Füllen des Ballons mit Wasserstoff vor der nächsten Front unter der Leitung von dem Crew Chief Bernd Landsmann beginnen, so dass am Sonntagmorgen in einer ausgelosten Startreihenfolge die Teams nacheinander zu den Klängen der Nationalhymne in den verhangenen Morgenhimmel starten konnten.

Es gab mehrere Taktiken: Einmal gab es die Möglichkeit flach bis ca. 1500 m Höhe zu fahren, aber das bedeutete, in einem Schlechtwettergebiet mit Gewitter und Regen Richtung Strasburg und Alpenvorland zu fahren oder als zweite Möglichkeit über der zweiten Wolkenschicht in 2000-3000 auf das Zentrum des Tiefs zu fahren. Die dritte Möglichkeit war das Steigen auf 3500-4000m über die dritte Wolkenschicht, um eine größere Geschwindigkeit zu erreichen., aber mit dem Nachteil, dass man Regen und Schnee in den großen Höhen hat.

Alle deutschen Teams wählten die zweite oder dritte Möglichkeit, so dass es Richtung Luxemburg ging. Das Mülheimer Team konnte durch das nahe Anfahren des Kerns des Tiefdruckgebiets, wie geplant, die Linksdrehung des Windes nutzen und so bewegten sie sich am Abend des ersten Tages auf Paris zu. Da zum Abend hin die Lufttemperatur sinkt, müssen sich die Gasballone dieser Nachtabsenkung anpassen. Diese Absenkung kann je nach Taktik genutzt werden, um Kursänderungen zu erreichen. In diesem Falle konnte das Mülheimer Team in einem sehr diffizilen Luftraum und mehreren Verkehrsflughäfen Paris südlich umgehen.

Geplant war am Morgen mit der Sonne und dem damit verbundenen Wärmeanstieg über die Wolken in 3500 m zu gehen und Richtung Bordeaux zu fahren. Aber wie das so ist, sind nicht alle Prognosen korrekt, so dass es nun Richtung Nantes an der Atlantikküste ging.

An der Atlantikküste stellte sich nun die Frage, ob man nun mit einer Linksdrehung im Tiefdruckgebiet 300 km über die Biskaya durch die Nacht Richtung Spanien fährt, um um den vierten Platz zu kämpfen.

Nach Absprache mit dem Wettermann und Taktiker David Strasmann per Satellitentelefon und Abwägung des Ballastvorrates und der Wetterentwicklung hatte man sich für die sichere Landung nach 590 km und 36 Stunden vor dem Atlantik bei Clisson, 30 km von Nantes, entschieden., so dass damit der sechste Platz bei der WM gesichert war.

„Mit diesem Ergebnis konnten wir und der Ballon-Club Mülheim bei der zweiten WM-Teilnahme vollauf zufrieden sein “, bilanzierte Heinz-Otto Lausch.

Weltmeister wurden das favorisierte französische Team Vincent Leys und Christophe Houver, vor Germany 2 mit Matthias Zenge und Wilhelm Eimers. Dritter wurden die Schweizer Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger.